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Falsche Versprechungen


Ein Ausstellungsprojekt von


 

Schon der Titel des Ausstellungsprojektes „Falsche Versprechungen“ von Julia Baur, Stephan Flommersfeld, Klaus Harth und Christoph Rammacher ist eine Aufforderung an den Betrachter, die Bilder und Objekte auf den Prüfstand zu stellen. Was wird behauptet, welche Welten werden entworfen, konstruiert und gebaut, gemalt oder in plastischen Prozessen dinghaft gemacht? Was ist unsere Wirklichkeit, wie eignen wir sie uns an oder besser: Wie transformieren wir sie, wenn wir uns ihr zu nähern versuchen? „Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: ‚Warum?‘ Ich wage, von Dingen zu träumen, die es niemals gab, und frage: ‚Warum nicht?‘“ Aus diesen Worten von Robert Browning  leiten die beteiligten Künstler weitere Fragen ab: Kann man Dinge überhaupt sehen, ohne zu fragen warum? Und was passiert, wenn wir uns in einer Welt bewegen, in der nichts so ist, wie es scheint oder behauptet beziehungsweise versprochen wird? Was ist Kreativität? Bedeutet das, auf eine Welt zuzugehen, die es nicht gibt, noch nicht gibt, die wir aber aufgrund unserer Phantasie erfühlen und erdenken können? „Phantasie ist nicht Ausflucht. Sich etwas vorstellen heißt, eine Welt bauen, eine Welt erschaffen.“ So formuliert Eugène Ionesco in seinen „Bekenntnissen“.


Die Projektteilnehmer wollen den Besucher also nicht mit Wahrheiten konfrontieren, sondern ihn dazu einladen, eigene Erwartungshaltungen und Wahrnehmungsmuster zu überprüfen. Dem ersten Blick auf die Exponate darf in diesem Fall ruhig misstraut werden, denn nur dann wird ein  „Hinein- und darüber Hinausdenken“ möglich.

Was ist nun die Lesart dieses Ausstellungsprojektes? Die vier Künstler haben sich aus Kenntnis und Wertschätzung der jeweiligen Arbeiten zusammengetan, um den eigenen Bedeutungs- und Zuordnungsrahmen bewußt zu sprengen. Es gibt zahlreiche Bezüge, die durch ihre unterschiedliche Erscheinungsform, dem Einzelbild oder -objekt überraschende Wendungen hinzufügen. Ein Ei ist ein Ei – entscheidend jedoch ist, mit was es gefüllt ist. Ein Haus ist ein Haus, doch welcher Ausschnitt oder welche Perspektive wird gezeigt? Was bewirken bei ähnlichem formalem Bestand  unterschiedliche Materialien und Medien? Wie verändert sich dabei der Wahrnehmungs- und Interpretationsspielraum. So liegt der eigentliche Reiz der Ausstellung neben der Präsenz des Einzelwerks in dessen kombinatorischem Umfeld. Wie verändert sich durch einen überraschenden Kontext die Wahrnehmung des jeweiligen formalen und inhaltlichen Bestandes? Was kommentiert sich wie in der jeweiligen Nachbarschaft? Der Parcours will gelesen werden. Vorsicht bei allzu schnellen Zuordnungen!