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Ein Biotop der Kunst

Woll- und Gipswerke stehen im Kontrast zu Reisezeichnungen

In Steinbach hat die Kunst ein Zuhause – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Martin Wilhelms Wohnung ist zum Museum auf Zeit geworden. Dort gibt es jetzt Neues zu entdecken.


Stephan Flommersfeld und Barbara Bux stellen ihre Werke in der Wohnung von Martin Wilhelm aus, die zum Museum auf Zeit geworden ist. Foto: ksp


In Martin Wilhelms Wohnung, die derzeit zum Kunstraum umfunktioniert ist, muss der Besucher aufpassen, dass er nicht versehentlich auf Kunst tritt: Auf dem Parkett stehen kunterbunte Objekte, die wie ein Sammelsurium aus überdimensionalen Muscheln, Bonbons und skurrilem Treibgut wirken. Es ist das Werk von Stephan Flommersfeld. "Mir sind Texturen sehr wichtig", erläutert Flommersfeld. "Sie dienen mir als Hülle zur Formgebung." Für seine Objektkunst hat er sich die organischen Formen gehäkelt oder aus Gips gegossen. Entstanden ist eine Art maritimer Garten. Seine Woll- und Gipsobjekte platziert er inmitten von bemalten Fundstücken aus der Natur.

In einem leergeräumten Zimmer der Wohnung des Künstlers Martin Wilhelm hat Flommersfeld sein Kunst-Biotop zu diesem stimmungsvollen Gesamtobjekt arrangiert. Die farbenfrohen Arbeiten bilden einen schönen Kontrast zu den Schwarz-Weiß-Reisezeichnungen der Frankfurterin Barbara Bux, die mit einem faszinierend präzisen Strich arbeitet.

Beide Künstler setzen den Schlussakzent der Kunstschau "100 Tage" im "Temporären Kunstraum B 64" in der Berliner Straße 64 (wir berichteten). Anfang Juni hat Martin Wilhelm seine zur Galerie umfunktionierte Wohnung geöffnet und präsentiert die Arbeiten verschiedener Künstler. Jetzt hat mit dem Duo Bux und Flommersfeld der vierte und letzte Teil der Schau begonnen.

Flommersfeld, der aus dem Westerwald stammt, erzählt, wie er seine Ideen umsetzt: "Ein Teil meiner Arbeiten entsteht im Keller.A n einer Stange, die über zwei Böcke gelegt ist, fließen in Jutetaschen die geformten Körper: Dazu gieße ich Gips in Taschen." Diese schnürt und näht er zu. "Das sind meine Formgeber, die als eine Art Haut zum Teil erhalten bleiben oder aber auch wieder abgezogen werden." Aus Wolle oder Kleidungsstücken näht er als eine Art Hülle für den Gips die körpergebende Substanz. "Wenn der Gips abbindet, wird er warm – für kurze Zeit die Illusion des Lebendigen."

Bilder aus Barcelona

Seit 1999 widmet sich Barbara Bux ganz der Bleistiftzeichnung, sowohl in kleinen wie in großen Formaten. In Steinbach zeigt sie Blätter, die erst vor kurzem während eines fünfwöchigen Aufenthalts in einer Künstlervilla in Can Serrat in der Nähe von Barcelona entstanden sind. "Dort befinden sich auch der bekannte Berg Montserrat und ein Kloster", schildert sie. Beides und die Flora der Umgebung hat sie inspiriert. Reisen ist wichtig für ihr Werk. "Die Begegnungen mit den Menschen und deren Lebensbegebenheiten verarbeite ich in meinen Arbeiten."

Entstanden sind daraus zahlreiche Reiseleporellos, kleinformatige Bleistiftzeichnungen, die Eindrücke und den stetigen Fluss des Reisens widerspiegeln. Wie eine Kalligraphie wirken ihre kleinformatigen Studien der mediterranen Pflanzenwelt. Der filigran gezeichnete Bleistiftstrich verbindet sich mit zufälligen Strukturen, die sie durch Graphit-Acrylfarbe erzeugt. Bux war bereits in Südamerika, in Asien, in Kenia. "Auf der Reise durch Kenia und Brasilien habe ich mit dem Zyklus Water’s Edge begonnen." Auch während ihres Aufenthalts in Katalonien ist eine großformatige Zeichnung zu diesem Zyklus entstanden, die in Steinbach zu sehen ist. Water’s Edge – auf Deutsch: das Ufer – ist für Bux "eine zeichnerische Weltreise, die verschiedene Ebenen gleichzeitig kontrastiert und verbindet".

Die Ausstellung ist bis einschließlich 16. September in der Berliner Straße 64 im Kunstraum von Martin Wilhelm zu sehen. Wer Lust hat, sich die Werke anzusehen, kann nach telefonischer Absprache unter (0 61 71) 98 13 32 vorbeikommen. (ksp)

Artikel vom 06. September 2012, 03.25 Uhr (letzte Änderung 06. September 2012, 05.05 Uhr)